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Baumwolle

Infothek

Baumwolle

Wissenschaftlicher Name
Gossypium

Die Baumwollpflanze (Gossypium) oder Baumwolle (engl. cotton, franz. coton) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Es gibt etwa (20 bis) 51 Arten in den Tropen und Subtropen.
Baumwolle ist eine sehr alte Kulturpflanze. Ungewöhnlich ist, dass mindestens vier Völker möglicherweise unabhängig voneinander diese Pflanzengattung domestizierten. Aus den Samenhaaren wird die Baumwollfaser, eine Naturfaser, gewonnen .[2]
Etymologie
Der Name „Baumwolle“ leitet sich von den Büscheln langer Fasern in den Früchten der Baumwollpflanze ab, die die Ausbreitung der Pflanzensamen über größere Distanzen ermöglichen. Allerdings ist die Baumwollpflanze trotz des Namens kein Baum, sondern ein bis zu sechs Meter hoher Strauch. Viele Pflanzensamen tragen solche Samenhaare (auch Samenwolle), doch nur die der Baumwollpflanze werden zur Textilherstellung verwendet. Wie die tierischen Wollhaare dienen diese Pflanzenfasern als Grundlage zur Herstellung von Garnen, Geweben und Wirkwaren.
Anbau und Ökologie
In der nördlichen Hemisphäre findet die Aussaat abhängig vom Standort zwischen Anfang Februar und Anfang Juni statt. Die Ernte erfolgt zwischen Oktober und Februar. Zwischen Aussaat und Ernte liegen rund acht bis neun Monate. Da die Baumwolle oft ungleichmäßig abreift, wird häufig mehrmals geerntet. Große Kulturflächen werden zumeist von Baumwollerntern maschinell abgeerntet, bei kleinen Anbaufeldern und in weniger entwickelten Staaten erfolgt die Ernte oft noch mit der Hand. Handgeerntete Baumwolle ist bezüglich Reife und Schmutzgehalt fast immer von höherer Qualität als maschinell geerntete. Dies liegt daran, dass Vollernter auch unreife und überreife Kapseln erfassen, während per Hand nur die reifen Faserbüschel ausgezupft werden. Problematisch für die Ernte ist die langgezogene Blütezeit, weil dadurch auch die Kapseln über einen Zeitraum von mehreren Wochen versetzt reifen. Überreife Baumwolle ist genauso wie unreife qualitativ minderwertig. Maschinelle Einmalernten sind daher immer ein Kompromiss aus überreif, reif und unreif. Die Handpflücke ist genauer, benötigt aber viele Arbeitskräfte, da mehrere Durchgänge notwendig sind.
 
Erntereife Baumwolle (September, Nordflorida)

„A Baumwolle Feld“ von Begonia - Transferred from de.wikipedia.org [1]: 2009-11-24 00:25 . . Begonia . . 2592×1944 (1337681 bytes). Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:A_Baumwolle_Feld.JPG#mediaviewer/Datei:A_Baumwolle_Feld.JPG

Erntemaschine (Baumwollernter) im Einsatz

„Baumwoll-Erntemaschine auf Feld“ von David Nance, USDA ARS - This image was released by the Agricultural Research Service, the research agency of the United States Department of Agriculture, with the ID K5927-21 (next).This tag does not indicate the copyright status of the attached work. A normal copyright tag is still required. See Commons:Licensing for more information.English | français | македонски | +/−. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Baumwoll-Erntemaschine_auf_Feld.jpeg#mediaviewer/Datei:Baumwoll-Erntemaschine_auf_Feld.jpeg

Maschinelle Ernte mit Baumwollernter und Module Builder in Texas
 
„Baumwoll-Erntemaschine“ von David Nance - United States Departement of Agriculture, Agricultural Research Service – Image Number K5925-12. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Baumwoll-Erntemaschine.jpeg#mediaviewer/Datei:Baumwoll-Erntemaschine.jpeg

Baumwollproduktion in Mali

„Usine de coton CMDT“ von Olivier Epron - Olivier Epron. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Usine_de_coton_CMDT.png#mediaviewer/Datei:Usine_de_coton_CMDT.png

Ökologie
Die lange Wachstumszeit der Baumwolle erfordert nach der Ernte eine rasche Feldbestellung und Neuaussaat. Daher ist der Anbau von Zwischenfrüchten zur Verbesserung der Bodenqualität und zur Unterdrückung von Unkräutern kaum möglich. Besonders auf großen Flächen wird Baumwolle oft ohne Fruchtwechsel mit anderen Nutzpflanzen angebaut. Infolge dieser Monokulturen ist die großflächige Baumwollproduktion stark von Pflanzenschutzmitteln abhängig. Baumwolle gilt als das landwirtschaftliche Produkt mit dem höchsten Einsatz an Chemikalien. Auf Baumwolle entfielen 1999/2000 etwa elf Prozent des weltweiten Pestizidmarktes.[19] Daher gilt sie unter Umweltschutzaspekten als sehr bedenklich.
Auch der Wasserverbrauch ist als sehr problematisch anzusehen. Besonders bekannt wurde in diesem Zusammenhang der Aralsee, der seit den späten 1960er Jahren stark an Wasser verloren hat, da eine große Menge Wasser zu Bewässerungszwecken für den Baumwollanbau abgezweigt wird, bevor es den See erreichen kann. Dies führte zu einer weitreichenden Versalzung.
Einige Baumwollbauern setzen auf ökologischen Anbau, so dass es heute auch Bio-Baumwollprodukte auf dem Markt gibt. Anfang 2010 wurde die Textilbranche von groß angelegtem Betrug mit angeblicher Biobaumwolle erschüttert, ein großer Teil der aus Indien stammenden Biobaumwolle wurde gentechnisch verändert. Der Betrug wurde bereits im April 2009 von indischen Behörden aufgedeckt. Zusammen mit westlichen Zertifizierungsunternehmen haben zahlreiche Dörfer gentechnisch veränderte Baumwolle als Bioprodukt deklariert und in großen Mengen in Umlauf gebracht – ein klarer Verstoß gegen die strengen Standards für Ökotextilien. Von dem Betrug betroffen sind namhafte Handelsketten wie H&M, C&A und Tchibo. [20]  Nach einem jahrelangen Anstieg der Produktion erfolgte 2011 ein Einbruch um über ein Drittel. .[21] 2008 betrug der Marktanteil 0,5 Prozent. [22]
Der kleinflächige Anbau von Baumwolle ist in vielen Entwicklungsländern ein wesentlicher Bestandteil der jeweiligen Volkswirtschaften und stellt den größten Exportwert und für viele Bauern die primäre Cash Crop dar.
Anbaugebiete
Die weltweit bedeutendsten Baumwollproduzenten sind die Volksrepublik China, Indien, die USA, und Pakistan. In Europa ist Griechenland das einzige Land mit einer größeren Produktionsmenge (Platz 10 der Weltrangliste), gefolgt von Spanien mit einer geringeren Menge[23]  – die Türkei wird hier zu den asiatischen Nationen gezählt, da die Hauptanbauflächen in Asien liegen. Generell lässt sich sagen, dass die meiste Baumwolle geographisch gesehen zwischen den 43 Grad nördlicher und 36 Grad südlicher Breite gelegenen tropischen und subtropischen Gebieten Mittelamerikas, Indiens und Asiens – dem sog. Baumwollgürtel, angebaut wird.

Kulturbaumwollarten
In der Textilindustrie und -verarbeitung unterscheidet man die Baumwolle primär nach ihrer Stapellänge (Faserlänge). Sekundär spielen auch Geruch, Farbe und Reinheit eine Rolle. Je länger eine Baumwollfaser ist, desto hochwertiger wird sie eingestuft. Nach der Stapellänge können die genannten vier Arten in drei Kategorien eingeteilt werden. Die beste Qualität liefert mit einer Stapellänge von über 32 Millimetern Gossypium barbadense (gebräuchliche Handelsnamen sind Ägyptische Mako-Baumwolle, Pima-Baumwolle und Sea-Island-Baumwolle), die etwa acht Prozent der Weltproduktion ausmacht. Es folgen mit einer Stapellänge von 25 bis 30 Millimetern und einem Anteil von 90 Prozent Gossypium hirsutum (sog. Upland-Baumwolle) und Gossypium arboreum und Gossypium herbaceum, die eine kurze und grobe Faser (< 25 mm) liefern und etwa zwei Prozent der Welterzeugung ausmachen. [30]

Unreife Kapsel
 
„A Baumwolle Kapsel zu“ von Begonia. Original uploader was Begonia at de.wikipedia - Transferred from de.wikipedia; transferred to Commons using CommonsHelper.(Original text : eigenes Bild). Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:A_Baumwolle_Kapsel_zu.JPG#mediaviewer/Datei:A_Baumwolle_Kapsel_zu.JPG

Reife, geöffnete Baumwollkapsel

„A Baumwolle Kapsel offen1“ von Begonia. Original uploader was Begonia at de.wikipedia - Transferred from de.wikipedia; transferred to Commons using CommonsHelper.(Original text : eigenes Bild). Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:A_Baumwolle_Kapsel_offen1.JPG#mediaviewer/Datei:A_Baumwolle_Kapsel_offen1.JPG

Baumwolle und Klima
Baumwollanbau trägt insbesondere durch den hohen Verbrauch an Mineraldünger und Pestiziden erheblich zum weltweiten Kohlendioxid-Ausstoß bei. Durch die Herstellung eines Baumwoll-T-Shirts entstehen sieben bis neun Kilogramm Kohlendioxid (CO2).[24]

Eigenschaften der Faser
Baumwolle ist eine Naturfaser, die aus den Samenhaaren der Pflanzen der Gattung Baumwolle (Gossypium) gewonnen wird. Der Samen bildet als Verlängerung seiner Epidermis längere Haare, die als Lint bezeichnet werden, und drei bis fünf Tage nach der Blüte sehr kurze Haare, die Linter genannt werden. Nur die langen Fasern werden, meist zu dünnen Fäden gesponnen, für Textilien verwendet, während sich die Linter nur für Zelluloseprodukte eignen .[33]
Verglichen mit Kunstfasern ist Baumwolle sehr saugfähig und kann bis zu 65 % des Gewichtes an Wasser aufnehmen. Sind allerdings Gewebe aus Baumwolle einmal nass geworden, trocknen sie nur langsam. Zudem besitzt Baumwolle auch eine hohe Schmutz- und Ölaufnahmefähigkeit, ist aber auch in der Lage, diese wieder abzugeben. Baumwollstoffe gelten als sehr hautfreundlich (sie „kratzen“ nicht) und haben ein äußerst geringes Allergiepotential. Diese Eigenschaften machen sie für die Textilindustrie interessant.
Die äußere Form der Baumwollfasern ist flach, verdreht und schleifenähnlich. Die Farben der Fasern variieren von Cremig-Weiß bis zu Schmutzig-Grau, abhängig vom Herstellungs- bzw. Aufbereitungsprozess. Weiterhin existiert auch farbig gewachsene Baumwolle, zumeist in grün und braun.
Baumwolle ist nicht wasserlöslich und in feuchtem oder nassen Zustand reißfester als in trockenem. Die Festigkeiten und Steifigkeiten der Baumwollfaser sind geringer als die der Bastfaser, wobei die Dehnfähigkeit deutlich höher ist. Die Fasern sind alkalibeständig, jedoch nicht säurebeständig. Baumwolle ist anfällig für Befall durch Mikroorganismen, die Widerstandsfähigkeit gegenüber Motten und anderen Insekten ist jedoch recht hoch. Baumwolle ist leicht entflammbar, kann aber gekocht und sterilisiert werden.
Zusätzlich macht die molekulare Struktur der Baumwolle ihre Fasern widerstandsfähig gegen Hitze und Laugen. Baumwolle ist damit auch bei starker Benutzung und häufiger Reinigung besonders langlebig.
Abhängig von der tatsächlich gewünschten Anwendung ist es möglich, den Rohstoff Baumwolle durch zahlreiche Arbeitsschritte in einem derart hohen Maße zu veredeln, dass er schließlich eine seidengleiche Anmutung erreichen kann, dabei jedoch weiterhin seine zahlreichen anderen positiven Eigenschaften aufweist.[34]
Verwendung
Der Hauptanwendungsbereich für Baumwolle ist eindeutig die Textilindustrie. Mit einem Mengenanteil von etwa 33 Prozent an der weltweiten Produktion von Textilfasern (einschließlich anderer Naturfasern und Chemiefasern) und einem Mengenanteil von etwa 75 Prozent an den Naturfasern ist Baumwolle die mit Abstand am häufigsten eingesetzte Naturfaser für Heim- und Bekleidungstextilien. .[35][36][37]Außer in der Textilindustrie finden Baumwollfasern aber auch in vielen anderen Bereichen Verwendung, beispielsweise als Verbandsmaterial in der Medizin sowie bei Kosmetik und Hygiene als Watte oder Wattestäbchen.
Bestandteile und Verarbeitung
Bei der Aufarbeitung der Baumwolle gehen nur rund zehn Prozent des Rohgewichtes verloren. Wenn die Wachs-, Eiweiß- und weiteren Pflanzenreste entfernt sind, bleibt ein natürliches Polymer aus Zellulose zurück. Die besondere Anordnung der Zellulose gibt der Baumwolle eine hohe Reißfestigkeit. Jede Faser besteht aus 20 bis 30 Lagen Zellulose in einer gedrehten Struktur.
Beispiele für Baumwollstoffe
Biber / Batist / Cord / Feinripp / Doppelripp / Denim / Finette / Frottier / Gabardine / Oxford / Samt / Popeline
Ursprünge und frühe Entwicklung
Baumwolle wird denn auch seit Jahrtausenden in ganz verschiedenen Kulturzonen zur Herstellung leichter Kleidung verwendet.
• Die ältesten Belege für Baumwolle stammen aus Indien. In Mehrgarh, der ältesten neolithischen Siedlung des Indus-Tales fanden sich Beweise für Baumwollsaaten und -fasern, die auf ca. 6000 v. Chr. datiert werden können.
• Afrika: G. herbaceum wuchs in Afrika traditionell in offenen Wäldern und Grassavannen. Die Ausbreitung der am engsten verwandten Wildformen legt jedoch eine nördliche Ausbreitung nach Nordafrika und in den Nahen Osten nahe. Man nimmt daher an, dass die erste Domestizierung von G. herbaceum in Arabien und Syrien erfolgte.
• Im zweiten vorchristlichen Jahrtausend erreichte Baumwolle von Indien her das Babylonische Reich in Mesopotamien, Ägypten und später Europa.
• Im Alten Ägypten ist Baumwolle seit dem Neuen Reich durch Grabfunde belegt, desgleichen später im hellenistischen Osten.[9]
• Die altamerikanischen Völker kannten Baumwolle, lange bevor im Mittelalter ihr Anbau und ihre Verarbeitung durch die Araber über Spanien und Italien in Europa eingeführt wurde.
o In Südamerika finden sich erste Baumwolltextilien aus domestizierter Baumwolle, hier G. barbadense, ebenfalls ab dem 3. vorchristlichen Jahrtausend im sog. Baumwoll-Präkeramikum der Anden, als man zwar noch keine Töpferwaren kannte, aber bereits Baumwolle anbaute.
• Weitere Entwicklung in Mittelalter und Neuzeit:
o Ab dem 6. nachchristlichen Jahrhundert wurde Wolle im Vorderen Orient, Arabien und Ägypten zum üblichen Material für Arbeitskleidung, und die Mauren bauten Baumwolle in Spanien extensiv an. [13]
o In Indien wurden bereits sehr früh verschiedene Kultursorten angebaut. Bereits im 16. Jahrhundert waren die indischen Regionen Bengalen, Punjab, Coromandel und Gujarat Zentren der Baumwollverarbeitung. Eine besondere Bedeutung kam Gujarat zu, dessen Baumwollprodukte über verschiedene Handelsrouten bis in die Zentren des Nahen Ostens gehandelt wurden.
o In der Neuen Welt stießen die spanischen Konquistadoren und Entdecker überall auf den Anbau und die Verarbeitung von Baumwolle. Christoph Kolumbus, Hernando Cortes, Francisco Pizarro, Fernando de Magellan und andere berichteten von den verschiedenen Zwecken, für die die Faser genutzt wurde, und sie bewunderten die gestreiften Sonnensegel und farbigen Mäntel, die die Eingeborenen herstellten. [14]
o Um 1600 war Baumwolle allerdings in Europa noch ein Luxusgut, das nicht weniger als Seide geschätzt wurde. Grund des hohen Wertes war der hohe Arbeitseinsatz bei der Verarbeitung. Arbeitsintensiv waren vor allem das Entfernen der Samenkapseln und das mühselige Kardieren der im Vergleich zu Wolle und Seide sehr kurzen Fasern
o Die Ostindienkompanie importierte bereits im frühen 17. Jahrhundert Baumwolltuche nach England und verkaufte diese Textilien trotz der erbitterten Gegenwehr der Wollproduzenten, die zeitweise stark genug war, um die Verwendung von Baumwolltuch gesetzlich zu verbieten. In Manchester gelang es schließlich, die Verarbeitung von Baumwolle in England durchzusetzen.
Verbreitung der Baumwolle in Mittelalter und Neuzeit

Bereits gegen Ende des 14. Jahrhunderts zog Venedig das Handelsmonopol levantinischer Baumwolle an sich und behielt es bis ins 17. Jahrhundert. Zugleich nahm an den großen Umschlagplätzen nördlich der Alpen die Baumwollverarbeitung stark zu. Mittelpunkt war Augsburg, das fast alle europäischen Märkte mit seinen Barchenten versorgte.
Mit dem stark zunehmenden Ostindienhandel wuchs die Einfuhr gesponnener Rohgarne über die Niederlande, so dass das Monopol Venedigs zunehmend schwächer wurde. Der Aufstieg der Britischen Ostindien-Kompanie zu einer der großen Handelsorganisationen der frühen Neuzeit steht ebenfalls in engem Zusammenhang mit Baumwolle. Der sehr profitreiche Gewürzhandel war zu Beginn des 17. Jahrhunderts fest in Händen portugiesischer und holländischer Kaufleute. Die Britische Ostindien-Kompanie handelte deshalb vor allem mit persischer Seide, die über Karawanenrouten durch Syrien auf türkische Märkte gelangte. Dort wurde auch traditionell indisches Baumwollgewebe gehandelt, und die britische Kompanie handelte zunehmend auch dieses Gewebe.[1] Ihren großen Aufschwung nahm die Baumwollindustrie jedoch erst im Ende des 18. und vor allem Anfang des 19. Jahrhunderts (Spinnmaschinen) im Verlauf der Industriellen Revolution, zunächst in England, dann in Frankreich und Deutschland, wo die Baumwollfaser sich nach und nach auch aufgrund ihrer größeren Verfügbarkeit durch den zunehmenden Anbau in den britischen Kolonien und den USA gegen die Wolle ökonomisch als Alternative durchzusetzen begann.
Literatur
• Michael D. Coe (Hrsg.), Dean Snow, Elizabeth Benson: Weltatlas der alten Kulturen. Amerika vor Kolumbus. Christian Verlag, München 1986, ISBN 3-88472-107-0, S. 204.
• D. A. Farnie, D. J. Jeremy (Hrsg.): The Fibre that Changed the World. The Cotton Industry in International Perspective, 1600–1990s. Oxford University Press, New York 2004.
• Wolfgang Haberland: Amerikanische Archäologie. WBG, Darmstadt 1991, ISBN 3-534-07839-X.
• Herder-Lexikon der Biologie. 7 Bände Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1994, ISBN 3-86025-156-2.
• Hans Läng: Kulturgeschichte der Indianer Nordamerikas. Gondrom Verlag, Bindlach 1993, ISBN 3-8112-1056-4.
• C. Wayne Smith, J. Tom Cothren: Cotton: Origin, History, Technology, and Production. Wiley 1999, ISBN 0-471-18045-9.
• Sven Beckert: Empire of Cotton. A Global History. Knopf, New York 2014, ISBN 978-0-375-41414-5.
• Ursula Völker, Katrin Brückner (Hrsg.): Von der Faser zum Stoff. Textile Werkstoff- und Warenkunde. 34. Auflage. Verlag Handwerk + Technik, Hamburg 2009, ISBN 978-3-582-05112-7.

Einzelnachweise
1. William Bernstein: A Splendid Exchange – How Trade shaped the World. Atlantic Books, London 2009, ISBN 978-1-84354-803-4.
2. R. F. Evert, K. Esau, S. E. Eichhorn: Esau's plant anatomy. John Wiley and Sons, 2006, ISBN 0-471-73843-3.
9.   Lexikon der Kunst, Band 7, S. 266.
13. Britannica, B. 17, S. 487.
14. inventors.about.com
20.  Birke Resch: Angebliche Biobaumwolle aus Indien ist gentechnisch verändert. YaaCool-Bio, 6. Februar 2010,       abgerufen am 13. Mai 2010..
21.  prweb.com: Organic Cotton Production Dips 35%
22. pan-germany.org: Die Cotton Connection
23. Europäische Kommission: Reform der Stützungsregelung für Baumwolle (abgerufen am 5. Juni 2010).
24. Für jedes T-Shirt sieben Kilo CO2. In: die tageszeitung. 19. Februar 2009.
30. F. E. M. Gillham, T. M. Bell, T. Arin, G. A. Matthews, C. L. Rumeur, A. B. Hearn: Cotton Production for the Next Decade. (= World Bank Technical Paper Number 287). The World Bank, 1995, ISBN 0-8213-3312-7.
33. F. Denninger, E. Giese, H. Ostertag, A. Schenek: Textil- und Modelexikon. Deutscher Fachverlag, 2008, ISBN 978-3-87150-848-6.
34. Urbanara GmbH: Warenkunde
35. C. Hoffmeister, T. Schneider, J. Müssig: Marktanalyse Nachwachsende Rohstoffe, Textilien. Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe, 2006.
36. CIRFS (Comité International de la Rayonne et des Fibres Synthétiques): World man-made fibres production, abgerufen 30. September 2012.
37. FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations): International year of natural fibres, Zugriff 5. Mai 2009.



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